NPD-Aufmarsch am 20.10.2012 in Coburg

Die bayerische NPD rief, mit Unterstützung mehrerer Neonaziorganisationen, zu einem Aufmarsch unter dem Motto „Wir oder Scharia” in der oberfränkischen Stadt Coburg auf. Die insgesamt 19 Gruppierungen konnten hierbei 85 Teilnehmer mobilisieren. Die Nazis wurden mehrfach blockiert, was zu einer Routenänderung des Aufzuges führte. Einen faden Beigeschmack hinterlassen Berichte von zwei durch die Polizei verletzten Personen.

Der Aufmarsch

Die NPD versuchte mit prominenten Rednern für den Aufmarsch in Coburg zu werben. Neben dem designierten Vorsitzenden der bayerischen NPD Karl Richter waren unter anderem der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer sowie der NPD-Vize aus Sachsen Maik Scheffler angekündigt. Gegen 12 Uhr war der Coburger Bahnhofsvorplatz mit 85 Neonazis, vornehmlich aus Bayern, Thüringen und Hessen, nur spärlich besetzt. Mehr sollten es auch nicht mehr werden, die Organisatoren hatten mit 200 Teilnehmern gerechnet. Der Naziaufmarsch begann mit einer zeitlichen Verzögerung da die Polizei den Tontechniker in Person von Patrick Schröder (NPD Bayern, FSN TV) in Gewahrsam genommen hatte. Die Polizei gab an Waffen bei ihm gefunden zu haben.

Von Beginn an war der Aufmarsch von Nazigegnern umgeben. Die erste Reihe der desorientierten Neonazis kannte offenbar die Routenführung nicht und verpasste sogleich die erst Abzweigung. Kurz vor der ersten Kundgebung der Nazis kam es zu zwei Sitzblockaden. Die Polizei verzichtete allerdings darauf diese zu räumen und führte die NPD-Anhänger in Zweierreihen an den Blockierern vorbei. Wenige hundert Meter weiter, vor dem Büro der Coburger Linkpartei, begannen dann die ersten angekündigten Reden der Neonazis. Michael Schäfer und ein „freier Aktivist aus Franken“ kamen hierbei zu Wort. Während die Kundgebung der NPD im Gange war formierten sich vor und hinter dem stehenden Aufmarsch erneut Blockaden. Diese hatten eine Routenänderung und -verkürzung zur Folge.

Anschließend zog der Nazitross weiter über den Marktplatz, wobei das bayerische Unterstützungskommando (USK) und die Bereitschaftspolizei jegliche Blockadeversuche verhinderte. Die Neonazis verzichteten jedoch darauf in der Innenstadt eine Kundgebung abzuhalten und liefen weiter in die Viktoriastrasse wo diese nachgeholt wurde. Hier sprachen Karl Richter und Maik Scheffler, wobei wir letzterem hier besondere Aufmerksamkeit widmen wollen. Nach einigen rassistischen Parolen sagte er folgendes: „Ihr sagtet vorhin: Ohne Staatsschutz wärt ihr nur zu sechst. Dann kennt ihr den Unterschied zwischen Staats- und Verfassungsschutz nicht! Das zeigt eure dämliche Intelligenz!“ Weiterhin bezichtigte er Nicht-Deutsche des Drogenhandels, ein interessanter Umstand bedenkt man das erst am 31. August diesen Jahres ein langjähriger Weggefährte Schefflers als mutmaßlicher Anführer eines Drogenhändlerrings in Nordsachsen festgenommen wurde.
Auch in der Viktoriastrasse kam es zu einer Blockade von Gegendemonstranten, auch hieran wurden die Neonazis auf dem Bürgersteig vorbeigeleitet. Der NPD-Aufmarsch gelangte nun ohne weitere Störungen zum Bahnhof und wurde von dem Versammlungsleiter Sven Diem (JN-Stützpunktleiter Franken/Oberpfalz) für beendet erklärt.

Der Gegenprotest

Coburg konnte zu den Gegenaktionen extrem viele Menschen mobilisieren, die sich den Neonazis konsequent entgegenstellen wollten. Dies zeigte unter anderem die erste Blockade an der Menschen jeden Alters teilnahmen. Durch die erfolgreiche Blockade an der Zwischenkundgebung konnte die Route der Neonazis verkürzt werden. Von zivilgesellschaftlicher Seite ist der Tag also als Erfolg zu werten. Einen faden Beigeschmack haben allerdings Berichte von zwei verletzten Personen. Aktivisten sprechen von einem jungen Mädchen das bewustlos geschlagen und auf die Kinderstation in Coburg eingeliefert musste. Weiterhin soll ein 62-jähriger mit Herzrhythmusstörungen, gebrochenen Rippen und Verdacht auf Milzriß ins Coburger Klinikum eingeliefert worden sein. In beiden Fällen habe es sich um Auseinandersetzungen mit dem bayerischen USK gehandelt so die Aktivisten weiter.

Update 21.30 Uhr: Bei dem verletzten 62-jährigen handelt es sich offenbar um ein Mitglied der Coburger Linkspartei. Eine „AG Antifaschismus“ des Kreisverbandes hat auf youtube ein Video des Vorfalls veröffentlicht. Das Video ist unter folgendem Link einzusehen: http://www.youtube.com/watch?v=Ekk_V04pBpg

Update 22.15 Uhr: Offensichtlich wurde dem verletzten Mann auch die medizinische Erstversorgung durch einen Notarzt verwehrt. Wie die Abendzeitung berichtet sei der Mann nach einem ersten Polizeiübergriff bereits in der Obhut des Notarztes gewesen und nochmals angegriffen worden. Das Innenministerium kündigte an den Vorfall zu prüfen, die Coburger Polizei ließ verlauten man nehme die Vorwürfe ernst.

Fotos:

Naziaufmarsch in Coburg
Der Naziaufmarsch vor dem Bahnhof

Zwischenkundgebung
Michel Schäfer redet auf der Zwischenkundgebung

Gegenprotest
Gegenprotest an der Route der NPD

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