„Es ist viel Mist gemacht worden“

Am 19.05.2011 ereignete sich Dramatisches in ei­nem Frank­fur­ter Job­cen­ter. Eine 39 Jahre alte Frau wurde damals von einer Polizistin erschossen, ein dreiviertel Jahr nach dem Todesschuss bescheinigte die Staatsanwaltschaft der Schützin Notwehr. Peter S. der heute 45-jährige Ehemann der Getöteten aus Aschaffenburg und der Frankfurter Rechtsanwalt Thomas Scherzberg haben eine andere Sicht der Dinge und beantragen nun ein Klageerzwingungsverfahren beim Oberlandesgericht Frankfurt.

Die Getötete Christy S. wollte sich in der Abteilung für Wohnungslose und Menschen mit Suchtproblemen einen Vorschuss abholen. Diese Auszahlung wurde ihr von Mitarbeitern des Jobcenters verweigert, warum ist bis heute unklar. Die Rede ist von 10,26 Euro. Die Leiterin des Jobcenters erklärte später in einer Pressekonferenz, die Auszahlung wäre durchaus möglich gewesen. Genau ab diesem Punkt scheiden sich die Geister. In ersten Pressemeldungen war von Randale im Jobcenter die Rede. Peter S. gibt hingegen an „lieb und freundlich“ sei die damals 39 Jahre alte Frau einfach sitzengeblieben. Ohne das ihr zustehende Geld wollte Christy S. nicht gehen.

Fakt ist weiterhin es gab einen durch einen Messerstich verletzten Polizisten. Der Ehemann der Getöteten kann sich das nur als „Panikreaktion“ erklären. Ein paar Tage vor ihrem Tod wollte ihn seine Frau an seinem Geburtstag besuchen. Als sie am 16. Mai schwarz mit der Bahn von Frankfurt nach Aschaffenburg fuhr, sei sie erwischt worden. Die Bahnpolizei fand bei ihr damals das Messer, das sie auch im Jobcenter dabei hatte. Peter S. nimmt an, dass sie die Waffe zwischen ihren Beinen verstecken wollte als die Polizisten ins Jobcenter kamen. Ein Polizist habe sie vom Stuhl gestoßen, es sei zu einem Gerangel gekommen. Dabei könne sie den Polizisten unabsichtlich mit dem Messer getroffen haben.

Die Liste der Vorwürfe die der Ehemann und sein Rechtsanwalt erheben ist lang. Der Rechtsanwalt Scherzberg spricht von mehreren Zeugen, die den Aussagen der Polizistin widersprechen. Diese seien zwar gehört, aber nicht berücksichtigt worden. Zudem hat Peter S. gehört, dass zum Zeitpunkt des Schusses überhaupt keine akute Gefahr mehr bestand. Der verletzte Polizist sei da ein ganzes Stück von Christy S. weg gewesen – und die Polizistin habe vom Gang aus auf die Frau geschossen. Peter S. erhebt Vorwürfe gegenüber der Polizei: „Die Polizistin hätte doch einen Warnschuss abgeben oder Reizgas sprühen können.“ Auch den Einsatz eines Schlagstockes hält der Ehemann der Getöteten für verhältnismäßiger.

Der Rechtsanwalt Thomas Scherzberg sieht das ähnlich. Er spricht von einer überforderten Polizistin, die sich für das Falsche entschieden hat. Ein Schuss in andere Teile eines Körpers könne lebensgefährlich sein, ein Schuss in den Bauch sei es mit Sicherheit so Scherzberg. Ob die Polizistin tatsächlich aus Notwehr schoss oder ihr fahrlässige Tötung vorgeworfen werden muss, kann nach Ansicht des Anwalts nur eine Gerichtsverhandlung klären. Ob diese erfolgen wird liegt nun am Oberlandesgericht in Frankfurt. „Hier ist ein Mensch zu Tode gekommen“, sagt er. Und: „Es ist viel Mist gemacht worden.“


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