Armes Bayern

Menschen mit geringem Einkommen, oder solche die staatliche Transferleistungen beziehen haben Anspruch auf eine Sozialmietwohnung. Das dies in Bayern aber eher Wunschdenken als Realität ist zeigt eine Studie des Eduard-Pestel-Institutes aus Hannover. Für gerade einmal 41 Prozent der betroffenen Haushalte steht bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung.

Hartz-IV-Empfänger, Wohngeldbezieher, Erwerbsunfähige, Menschen mit schmalem Geldbeutel und ältere Menschen, die von der staatlichen Grundsicherung leben sind die Zielgruppen des sozialen Wohnungsbaus. „Aber längst nicht jeder, der einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hat, hat auch die Chance, eine zu bekommen. In ganz Bayern sieht es hier schlecht aus: Landesweit stehen nur für 41 Prozent der betroffenen Haushalte Sozialmietwohnungen zur Verfügung“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Im oberfränkischen Bayreuth beispielsweise drückt sich der Mangel an günstigen Wohnungen wie folgt aus: 7000 Haushalte haben einen Anspruch auf eine Sozialwohnung, es gibt im Moment allerdings nur 2823 .

Zum 1. Mai 2010 wurden die Einkommensgrenzen für die Belegung von rund 140.000 öffentlich geförderten Sozialwohnungen in Bayern angehoben und somit der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert. Allerdings sind in den vergangenen Jahren in Bayern viele Sozialwohnungen vom Markt verschwunden. Von etwa 273.000 auf 161.000 hat sich der bayerische Bestand seit 2002 verkleinert. In ganz Deuschland ist die Zahl der Sozialwohnungen um ein Drittel zurückgegangen „Dies trifft insbesondere Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner. Für Haushalte mit geringem Budget bezahlbare Wohnungen zu schaffen, ist eine der drängendsten sozialen Herausforderungen“, so Günther.

Den Auftrag zu der Studie erhielt das Pestel-Institut von der „Wohnungsbau-Initiative“. Zu dieser Initiative haben sich neben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zusammengeschlossen. Sie fordert einen „Masterplan für den sozialen Wohnungsbau“ in Deutschland. Hier seien alle in der Pflicht: Bund, Land und Kommunen. An die lokalen Bundestagsabgeordneten appelliert die Wohnungsbau-Initiative, sich in Berlin schon bei den laufenden Haushaltsberatungen für das kommende Jahr für eine deutliche Aufstockung der Gelder für den sozialen Wohnungsbau stark zu machen. In einem Schreiben an die Parlamentarier aller Fraktionen nennt die Initiative den schrumpfenden Bestand von Sozialwohnungen ein „wachsendes Problem“. Der Staat sei jetzt gefordert, den sozialen Wohnungsbau anzuschieben.

Zur Problematik des sozialen Wohnungsbaus verweisen wir an dieser Stelle auf einen Artikel aus dem Jahr 2005, erschienen im MieterEcho: http://www.bmgev.de/mieterecho/312/07-swb-brd-ah.html


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