Oberprex – Der vergessene Ort

Groß war die Aufregung im August diesen Jahres. In einer gemeinsamen Presseerklärung des Landratsamtes Hof, der Gemeinde Feilitzsch und der Sicherheitsbehörden wurde ein Immobilienverkauf in Unterhartmannsreuth (Landkreis Hof) thematisiert. Dort hat eine Frau aus dem Umfeld der NPD im April 2012 ein Anwesen erworben und bewohnt dies inzwischen auch. Inzwischen macht sogar der örtliche Bürgermeister Emil Albrecht (CSU) mobil. Eine wesentlich wichtigere Immobilie der Nazis im Landkreis Hof verschwindet derweil aus der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei ist der ehmalige Gasthof Egerländer in Oberprex, einer der wichtigsten Anlaufpunkte für die militante Neonaziszene in Bayern.

Im April 2010 erwarben die Eltern eines führenden Neonazis aus dem Landkreis Hof den leerstehenden Gasthof „Egerländer“ in Oberprex, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Regnitzlosau. Am Samstag, den 12.06.2010 feierten nordbayerische Neonazis aus den Kreisen von Hammerskins Franken und Freies Netz Süd (FNS) die erste Party im neuerworbenen, eigenen Gebäude. Etwa vierzig bis fünfzig Kameraden drängten sich in und vor der braunen Gaststätte. Seitdem finden in dem Haus immer wieder neonazistische Veranstaltungen aller Art statt. Im Jahr 2011 registrierten Beobachter 30 Zusammenkünfte in der Immobilie, zu denen auch einschlägig vorbestrafte Nazis zugegen waren. So sprach der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese am 28.05.2012 vor mehreren Dutzend Zuhörern. Das letzte größere Treffen ereignete sich am 09.06.2012, ein sogenannter Tag der Freundschaft veranstaltet von einem „Deutsch-Böhmischen Freundeskreis“. Dieser Freundeskreis stellt eine Vernetzung der militanten Naziszene aus Deutschland und Tschechien dar.

Viele der 30 Veranstaltungen waren Treffen der Kameradschaft Hof mit nur wenigen Teilnehmern, allerdings kam es in dem Gasthof auch zu Absprachen mit überregionalem Charakter. Vor, für die Szene, wichtigen Events in der Region fanden immer wieder Treffen mit Neonazis aus anderen Bundesländern statt. Eine Abendveranstaltung nach einem neonazistischen Trauermarsch in Plauen 2011 war in der Immobilie der oberfränkischen Kameraden.

Die Hofer Zivilgesellschaft und die lokale Politik tut sich indessen schwer wirksame Aktionen, die sich gegen den Stützpunkt in ihrer Region richten, zu entwickeln. Lediglich zu einer, auf institutioneller Ebene verfassten, „Oberprexer Erklärung“ konnte man sich vor Ort durchringen. So war es auch nicht verwunderlich das die erste öffentliche Aktion in Regnitzlosau von Nazis angemeldet wurde. Am 07.04.2012, nachdem der Nazitreffpunkt in Oberprex fast zwei Jahre bestanden hatte, führten Neonazis des Freien Netz Süd eine Kundgebung in Regnitzlosau durch.

Nun sollte man das Anwesen in Unterhartmannsreuth nicht aus den Augen verlieren. Immerhin wurde mit Frank Rennicke ein bundesweit bekannter und aktiver Neonazi auf dem Gelände gesichtet, die Käuferin selbst kandidierte für die NPD in Schleswig-Holstein. Der Fokus allerdings, der derzeit auf dem Objekt ruht, scheint überzogen. Noch sind keinerlei politische Impulse von Unterhartmannsreuth ausgegangen, anders als von dem Gasthof ein paar Kilometer entfernt. Das Problem ist und bleibt Oberprex!


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