Klingenberg – Flüchtlingsunterbringung „zu zentral“?

Wie bereits berichtet stößt die geplante Unterbringung von ca. 30 Asylsuchenden in einem leerstehenden Hotel im unterfränkischen Klingenberg auf starke Ablehnung vor Ort. Nach einer Stadtratssitzung am Montag wurde nun eine Unterschriftenaktion gegen den Standort ins Leben gerufen, der Bürgermeister Ralf Reich­wein (CSU) äußerte sich in einem Interview mit Main TV gewohnt fragwürdig.

Wir sind ein Ort der vom Tourismus abhängig ist beziehungsweise der vom Tourismus her bekannt ist…“ sagt der Christsoziale, der genau wissen dürfte das besagtes Hotel nicht ohne Grund leersteht. Im Vergleich zu 2006 sank die Zahl der Gästeübernachtungen in Betrieben mit mehr als neun Betten in Klingenberg im Jahr 2011 um satte 38%. Konkret sind das 11751 Übernachtungen weniger. Ebenso verringerte sich die Aufenthaltsdauer der Reisenden erheblich, die durchschnittliche Auslastung der angebotenen Betten liegt mit knapp 27% unter dem bayerischen Durchschnitt. Auch wirtschaftlich stellt der Tourismus einen eher geringen Anteil dar, nur ein Bruchteil der in Klingenberg Beschäftigten arbeitet in der Tourismusbranche. (Quelle)

…und direkt an der Eingangsstelle zu diesem Ort kann ich es mir nicht vorstellen, dass wir Menschen so integrieren können damit sie hier bei uns leben können, wenn von vorneherein schon eine gewisse Abneigung schon da ist.“ fährt er fort. Der Bürgermeister, der bereits vergangene Woche kurz nach Bekanntwerden der Unterbringung Vorurteile und Abneigungen gegen die Flüchtlinge schürte, zieht nun eben jene Ressentiments zu Hilfe um seine Ablehnung zu begründen. Ein perfides Spiel auf dem Rücken der Flüchtlinge.

Nachdem noch auf eine zukünftige Anzahl von 30-35 Prozent an Einwohnern mit Migrationshintergrund verwiesen wird, schliesst das Interview mit dem CSU-Politiker mit den Worten: „Man weiß selber verschiedene Nationalitäten verstehen sich auch nicht untereinander und da sehen wir ein sehr großes Potential von Aggresivität auf uns zu kommen. Wir kennen es ja aus anderen Ländern, da ist es ja üblich, da findet das Leben auf der Strasse statt und man weiß natürlich nicht in wie weit das dann auch das Geschäftsleben hier beeinträchtigen würde.

Klingenberg zieht sich also formal auf die Ablehnung des zentralen Standortes der Gemeinschaftsunterkunft zurück und doch werden am laufenden Band rassistische Vorurteile reproduziert. Es wird ein Bild von prügelnden, auf den Strassen marodierenden Flüchtlingen gezeichnet, die eine blühende Tourismusregion zerstören. Der Hinweis auf die Prozentzahl der Menschen mit Migrationshintergrund beflügelt bestenfalls Überfremdungsfantasien einiger, als das er einer sachlichen Diskussion dient.
Zentrale Unterbringung von Asylsuchenden, Teilhabe am städtischen Leben und ein offenes Zugehen auf die Flüchtlinge sind bessere Garanten für eine gelungene Integration, als der Weg den Klingenberg eingeschritten hat.

Das Interview:


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