Braune Töne aus Oberfranken

Seit dem Jahr 2005 existiert in Oberfranken ein Netzwerk brauner Musiker das nicht nur in Bayern aktiv ist. Beobachter der Szene vermuten den Schwerpunkt seit langem im Landkreis Hof, das bayerische Innenministerium bestätigt dies nun in der Antwort auf eine Anfrage (Drucksachennummer 16/14681) zu neonazistischer Musik in Oberfranken.

Die Bands

Am 15. Oktober 2005 gab die Rechtsrockband Braune Brüder ihr Debut in Wunsiedel. Die Mitglieder waren allesamt im Umfeld des zu dieser Zeit aktiven, neonazistischen „Kameradschaftsbund Hochfranken“ anzusiedeln, mit Tony Gentsch war sogar eine Führungsperson aus der oberfränkischen Naziszene vertreten. Im September 2006 erschien ein Studioalbum der braunen Musikcombo auf dem international bekannten Chemnitzer Szenelabel PC-Records, bis zu ihrer Auflösung im Juli 2007 gaben die rockenden Nazis über 10 Konzerte im In- und Ausland.

Schon kurz nach Auflösung der Braunen Brüder meldete sich das Nachfolgeprojekt zu Wort. Im August 2007 erschien auf dem bayerischen Label 2yt4u Records ein Sampler auf dem die Band White Rebel Boys ihren Einstand feierte, im Februar 2008 spielte die Musikertruppe auf einem Nazirock-Konzert in Ungarn. Organisiert wurde dieses Event vom internationalen Skinhead-Netzwerk Blood and Honour (B&H). Es folgten mehrere Beiträge zu diversen Rechtsrocksamplern, in den Jahren 2010 und 2012 erschienen Studioalben über PC-Records. Mitglieder der White Rebel Boys sind zudem an der Band MPU und dem sich eher unpolitisch gebenden Projekt ZZ beteiligt, eine Einzelperson aus der Band hat 2010 ein Soloalbum unter dem Namen White Rebel Voice veröffentlicht.

Seit 2005 ist im Raum Lichtenfels die NSHC-Combo Burning Hate aktiv. NSHC steht für National Socialist Hardcore und stellt eine aggressivere Musikrichtung innerhalb der Naziszene dar. Gerade durch die musikalische Abgrenzung zum eher stumpfen Nazirock erfährt Burning Hate mit ihren Veröffentlichungen immer wieder Aufmerksamkeit in der bundesdeutschen Neonaziszene. Auf mittlerweile drei Alben kann die Naziband zur Zeit zurückblicken.


Burning Hate – Live

Die Verbindungen

In Oberfranken sind aktuell 4 rechtsextremistische Bands aktiv: Burning hate, MPU White Rebel Boys und das Soloprojekt White Rebel Voice. Die scheinbare Häufung im bayerischen Vergleich wird dadurch relativiert, dass die drei letztgenannten Bands maßgeblich durch den Rechtsextremisten Tobias W. [Name von der Redaktion gekürzt] gestaltet werden. Daher ergeben sich bei allen drei Bands Überschneidungen.“, heißt es in der Antwort des bayerischen Innenministeriums. Und Tobias W. ist Beobachtern aus der Region tatsächlich bekannt. Seit spätestens 2006 beteiligt sich der 1986 geborene Rechtsrocker an Neonaziaufmärschen innerhalb und außerhalb Bayerns, bereits 2005 war er an der Gründung der Braunen Brüder beteiligt. Er spielt mehrere Instrumente und scheint an seinem Wohnort ein Tonstudio zu unterhalten. Provincia Franconia liegen Informationen vor, denen zufolge bei Tobias W. das 2011 erschienene Album Stimme der Straße der Neonaziband Eskalation eingespielt wurde.


Mitte Tobias W.

Die Band Eskalation wird dem internationalen Netzwerk der Hammerskins zugerechnet, die Band White Rebel Boys steuerte für einen Sampler der bayerischen Hammerskins zwei Lieder bei. Provincia Franconia liegen zudem Bilder vor, die Tobias W. in die Nähe des in Deutschland verbotenen, internationalen Skinhead-Netzwerks Blood and Honour rücken lassen. Sowohl die Hammerskins, als auch Blood and Honour werden der Unterstützung des rechtsterroristischen NSU verdächtigt.


Tobias W. bei einem Konzert vor einem Transparent von Blood and Honour

Das Fazit

Neonazistische Musik und Konzerte spielen für die Szene eine erhebliche Rolle. Sie dienen als Einstiegsdroge für Jugendliche, als wichtiges Medium, um ideologische Inhalte zu verbreiten, zur Ausbildung und Stärkung neonazistischer Netzwerke und nicht zuletzt zur Finanzierung von Aktionen. In Bayern wurden 2011 zehn Rechtsrock-Konzerte durch die Behörden dokumentiert. Die Polizei hat aber kein verbotenes Lied erkannt, keine Straftat festgestellt und kein Konzert aufgelöst. Szenekenner und Aussteiger halten das für absurd. Felix Benneckenstein wird vom BR folgendermaßen zitiert: „Meine Erfahrung ist eher, dass in Bayern fast jede Woche ein Konzert stattgefunden hat. Und, dass dann bei zehn Konzerten, die beobachtet wurden, keine einzige Straftat festgestellt wurde, das ist für mich auch absolut nicht auch nur im entferntesten das, was ich erlebt habe in der reellen rechten Szene. Die spielen schon pro Block – meinetwegen alle drei, vier Lieder – spielen sie schon ein verbotenes Lied. Das ist eigentlich für viele ein Hauptgrund, warum sie da hingehen, zu diesen klassischen Rechtsrock-Konzerten.“ Der Aussteiger Benneckenstein hat bis 2010 als Liedermacher Flex jahrelang auf Nazikonzerten im Freistaat gespielt.

Auch in Oberfranken finden immer wieder neonazistische Musikveranstaltungen statt, sei es in der Immobilie des Freien Netz Süd in Oberprex oder sei es der ebenfalls vom Freien Netz Süd organisierte Frankentag. Auch bei diesen Veranstaltungen darf ein konsequentes Einschreiten der Sicherheitsbehörden bezweifelt werden. Nach Angaben des bayerischen Innenministers auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Sepp Dürr (Bündnis90/Die Grünen), vom 9. Januar 2012 „haben die polizeilichen Erfahrungen gezeigt, dass eine Bewertung vor Ort während der Veranstaltung ohne Kenntnis des Textes grundsätzlich kaum möglich ist (Lautstärke, Verständlichkeit, verschiedene Versionen)”. Stattdessen werden anwesende Journalisten immer wieder bei ihrer Arbeit behindert und mit presserechtlich fragwürdigen Auflagen überzogen. Der Journalist Thomas Kuban nannte Bayern deshalb „ein Paradies für Nazis“, eine Einschätzung die man durchaus teilen kann.


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