Bayreuth: Teilprivatisierung der Flüchtlingssozialarbeit

Die Flüchtlingsberatung der Caritas in Bayreuth kann bis Ende 2013 aufrechterhalten werden, teilte der Verband auf einer heutigen Pressekonferenz mit. Möglich wird dies weil mehrere „Serviceclubs“, namentlich der Lions Club und der Rotary Club, die Caritas mit 27.500 Euro unterstützen. Die Aufrechterhaltung der Betreuung von Flüchtlingen in der Stadt und im Landkreis Bayreuth durch die Caritas ist durchweg zu begrüßen, der Umstand dass der Wohlfahrtsverband dabei auf Fundraising angewiesen ist weist dagegen in eine falsche Richtung.

Seit den 90er Jahren steht die Sozialarbeit im Allgemeinen unter zunehmendem Ökonomisierungsdruck. Dabei ist die vom Staat hinterlassene „Finanzierungslücke“ viel zu groß, als dass Fundraising und bürgerschaftliches Engagement sie vollständig kompensieren könnten. Die Ökonomisierung der Sozialen Arbeit ist geleitet von Prämissen der Privatisierung bzw. betriebswirtschaftlichen Orientierung. Sie ist gekennzeichnet von einem Abbau staatlicher Unterstützungssysteme und der Kürzung beziehungsweise Nichtanpassung sozialer Ausgaben. Eine solche Nichtanpassung erleben die Wohlfahrtsverbände, die Betreuung von Flüchtlingen in Bayern leisten, seit Jahren kontinuierlich.

Die chronisch unterfinanzierte Flüchtlingssozialarbeit unterstützt Menschen, die auf Grund von Krieg, ihrer politischen Gesinnung, ihrer Religion, ihrer Herkuft oder ihres Geschlechts in ihrem Heimatland verfolgt sind. Die Notwendigkeit der sozialen Arbeit ökonomisch belegbare Nachweise ihrer Nützlichkeit zu erbringen ist an sich bedenklich genug, die Betreuung von Flüchtlingen aber kann diese Nachweise schlichtweg nicht erbringen. Sie ist nicht betriebswirtschaftlich effizient, im Gegenteil. Soziale Arbeit mit und für Flüchtlinge verhilft Asylsuchenden wenigstens zu dem Recht, das ihnen die Gesetzeslage noch zugesteht. Dadurch entstehen Mehrkosten, zum Beispiel durch längere Gerichtsverfahren oder mehr Menschen denen der Aufenthalt in Deutschland ermöglicht wird.

Der Fehler liegt also im System. Nicht die Flüchtlinge und ihre Schicksale stehen im Mittelpunkt der Diskussion, sondern kaltes betriebswirtschaftliches Kalkül. Solange allerdings Wahlkämpfe auf dem Rücken von asylsuchenden Menschen ausgetragen werden und solange Politiker rassistische Ressentiments von nicht unwesentlichen Teilen der Bevölkerung befördern ist eine Umkehr bei der Finanzierung der Flüchtlingssozialarbeit nicht zu erwarten.


0 Antworten auf „Bayreuth: Teilprivatisierung der Flüchtlingssozialarbeit“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

Du musst dich anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


vier × = zwölf